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Interview
Antonio Hodgers

Seit 2013 ist Antonio Hodgers Mitglied der Regierung des Kantons Genf. In diesem Interview legt der Politiker seine Sicht der Dinge auf das an sein Departement angegliederte Raumentwicklungsprojekt Praille Acacias Vernets (PAV) dar und macht deutlich, welchen Einfluss dieses auf die Entwicklung von Genf haben wird.

Herr Regierungsrat Hodgers, Sie sind in Meyrin bei Genf aufgewachsen. Dort entsteht heute auf einem HIAG Areal das EMEA-Headquarter von zwei internationalen Unternehmen, Hewlett Packard Enterprise und HP Inc. Wie hat sich Ihr Heimatort seit Ihrer Jugend entwickelt?

Antonio Hodgers: Aus städtebaulicher Sicht kann die Stadt Meyrin als beispiel­hafte Gemeinde dargestellt werden, die anpassungsfähig ist und die aktuelle Entwicklung des Kantons Genf begrüsst. Bekannt für ihre Wohn­blöcke, ihre räum­liche Entfernung zum Genfer Stadtzentrum und ihre Multikultura­lität, wurde sie einst als unglücklicher Auswuchs empfunden. Heute beherbergt sie das Ökoquartier Les Vergers mit seinen Kooperativen und ist durch eine Strassenbahn an das Zentrum angebunden, das binnen 30 Minuten erreichbar ist. Einen Steinwurf vom CERN und der grössten Industriezone des Kantons entfernt, konnte sie ihre Identität beibehalten und wirtschaftliche und soziale Entwicklungschancen nutzen.

Vor welchen Herausforderungen steht die Region Genf heute im Hinblick auf Stadt- und Raumentwicklung?

AH: Der Regierungsrat verfügt über ein ehrgeiziges Dokument, den kantonalen Richtplan 2030, der vom Grossen Rat und vom Bundesrat verabschiedet wurde. Dieser Richtplan legt den Schwerpunkt auf eine Siedlungsentwicklung nach innen. Mit anderen Worten, er will die Zersiedlung bremsen. Wir müssen also verdichten, aber nur da, wo es auch Sinn macht: in der Nähe der Verkehrswege, insbesondere der öffentlichen Verkehrsmittel. Die zweite Herausforderung für den Regierungsrat ist die Unterbringung der in Genf arbeitenden Menschen. Ein Drittel der in Genf Tätigen pendelt jeden Morgen. Es werden also Leute beschäftigt, für die kein Wohnraum vorhanden ist.

Wie möchte der Kanton diesen Herausforderungen begegnen?

AH: Durch den Bau neuer Wohnviertel. Mein Departement steuert zehn grosse Gestaltungspläne, bei denen Zehntausende Wohnungen entstehen. Sie verteilen sich auf den Perimeter der LEMAN-Express-­Linie und die bestehenden Stadtzentren. Ein erweitertes, diversifiziertes und auf den ganzen Kanton verteiltes Wohnangebot bietet Angestellten die Möglichkeit, wieder näher an ihrem Arbeitsplatz zu wohnen, was wiederum die Belastung durch den regionalen Pendelverkehr reduziert.

Das Grossprojekt PAV soll der Region Genf Wachstum ermöglichen. Was bedeutet das genau?

AH: Durch das Projekt Praille Acacias Vernets wird demnächst ein neues Zentrum in Genf entstehen. Mit 12’000 neuen Wohneinheiten und 6’200 zusätzlichen Arbeitsplätzen sowie Infrastrukturen und öffentlichen Einrichtungen wird PAV den Kanton Genf neu strukturieren. Dieses Quartier stelle ich mir offen, lebendig und dynamisch vor. Es werden Service-, Industrie- und Handwerksbetriebe unter­gebracht. Aber es sollen auch Räume für festliche Veranstaltungen und Kultur sowie hochwertige, erschwingliche Wohnungen entstehen.

Projekt PAV

Zwei HIAG-Standorte im Quartier PAV
Das Grossprojekt Praille Acacias Vernets (PAV) sieht die Umnutzung von industriellen Flächen vor, die sich unmittelbar an das Stadtzentrum von Genf anschliessen und unter anderem in den Stadtgebieten Carouge und Lancy liegen. In beiden Gebieten hält und bewirtschaftet HIAG Areale. PAV umfasst 230 Hektar und bietet das Potenzial für Wohnraum mit 11’000 Wohnungen.
www.ge.ch/pav

1  Areal Carouge
2  Areal Lancy

Das Projekt wird seit über zehn Jahren vorangetrieben. Wie ist der aktuelle Stand?

AH: Mittlerweile wurden die vier grossen Quartiere enthüllt: Etoile, Acacias, Grosselin und Praille Ouest. Architekturwettbewerbe haben für Etoile und den Standort Les Vernets stattgefunden, der in einer Volksabstimmung mit über 70% stark befürwortet wurde. Die Veränderungen sind im südlichen und westlichen Bereich der PAV-Fläche bereits an den Baustellen der beiden LEMAN-Express-Haltestellen und den um sie entstehenden neuen Quartieren erkennbar. Um Bewegung in die Quartierentwicklung zu bringen, müssen die in der PAV-Zone tätigen 1’600 Unternehmen nun schnellstmöglich umgesiedelt werden. Zu diesem Zweck schlägt der Regierungsrat die Gründung der PAV-Stiftung vor, deren Ziel der Erwerb des PAV-Baulands ist, das für die verschiedenen Projektabschnitte bereitgestellt werden soll.

Welche Gebiete sehen Sie für das Wachstum von Genf als wesentlich an?

AH: Vor dem Hintergrund des Platzmangels im Kanton würde ich sagen, in Genf ist jedes Gebiet wertvoll. Jedes entspricht einem Bedarf. Der städtische Bereich und das Umland können hauptsächlich für Wohnraum genutzt werden, landwirtschaftliche Gebiete zur Erholung und zum Anbau. Industriegebiete halten unsere industriellen und handwerklichen Strukturen lebendig und aktiv. Es ist dem Regierungsrat und meinem Departement ein Anliegen, jedem dieser Gebiete jenen Stellenwert einzuräumen, den es verdient, und die Anforderungen von morgen zu antizipieren.

Mit dem PAV soll Industriefläche für Wohnen weichen. Welche Alternativen werden Unternehmen, die in der Nähe von Genf bleiben wollen, geboten?

AH: Genf verfügt über eine Stiftungseinrichtung, die FTI (Fondation pour les terrains industriels), die Industriegebiete durch Ankauf, Gestaltung und Parzellierung von industriellen Liegenschaften aufwertet und so die Ansiedlung von Unternehmen ermöglicht. Im Rahmen des Nutzungstauschs des PAV hat die FTI die Aufgabe, die Unternehmen bei ihrer Umsiedlung zu begleiten, indem sie ihnen insbesondere neue Standorte anbietet.

Wie gut wird es künftig gelingen, Unternehmen in der Region anzusiedeln, und was wird dafür unternommen?

AH: Zusätzlich zu den von der FTI bereitgestellten Arealen in 54 Industriegebieten und der Unterstützung durch die kantonale Wirtschaftsförderung hat der Regierungsrat soeben seine Pläne für die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III vorgelegt. Diese Reform bietet einen wettbewerbsfähigen Steuersatz von 13.49%. Ausserdem ist der Kanton Genf ein bevorzugter Standort für die Unternehmensansiedlung, sowohl was die Lage und die Infrastrukturanbindung betrifft als auch die Internationalität und Vielfalt der vorhandenen Wirtschaftszweige.

In Praille Ouest bei Carouge besitzt HIAG das Areal «Camembert», direkt neben dem Stade de Genève. Welches Potenzial sehen Sie für dieses Gebiet im Rahmen des PAV-Projekts?

AH: «Camembert» ist ein Gebiet mit hohem Entwicklungspotenzial. Im Quartierrichtplan PAV wird es übrigens als prägender Ort bezeichnet, genau wie Etoile und Pointe Nord. Deshalb soll im Laufe des Jahres 2017 in Partnerschaft mit den Eigentümern, der Gemeinde Lancy und dem Staat ein Projektansatz starten.

PAV wird in mehrerer Hinsicht Einfluss auf die Stadtentwicklung von Genf nehmen. Welche Rolle spielt dabei das Thema Nachhaltigkeit?

AH: Auch wenn die nachhaltige Entwicklung über den Energiesektor hinausgeht, möchte ich betonen, dass der Kanton Genf seit jeher Vorreiter auf diesem Gebiet ist. Der Regierungsrat ergreift die notwendigen Massnahmen, um die 2’000-Watt-Gesellschaft ohne Kernkraft zu erreichen. Die kantonale Energie­strategie ist gut aufgestellt, da sie sich auf den Ausbau erneuerbarer Energien und die Sanierung ihres Bestands stützt. Der Nachhaltigkeitsanspruch unserer Stadt­entwicklung ist erfüllt und die Beteiligten sind insgesamt positiv eingestellt.

Welche Themen möchten Sie künftig als Politiker in Genf besonders vorantreiben?

AH: Als Mitglied der Kantonsregierung engagiere ich mich für eine kontrollierte Entwicklung des Kantons, die auf Qualität basiert. Diese harmonische Entwicklung betrifft sowohl die Raumplanung als auch die Steuerpolitik, Kultur und Mobilität.

Antonio Hodgers

Antonio Hodgers, geboren 1976 in Buenos Aires, ­Argentinien, kam 1981 in die Schweiz. Er ist seit seiner Jugend politisch engagiert und wurde bereits mit 21 Jahren als Kandidat der Grünen in den Grossrat gewählt. Seit 2013 ist er Mitglied der Regierung des Kantons Genf und zuständig für das Departement Planung, Wohnungen und Energie. Zuvor war Hodgers von 2007 bis 2013 Mitglied des Nationalrats. Von 2011 bis 2013 war er Präsident der Grünen Fraktion.

Antonio Hodgers ist Absolvent des Institut de hautes études internationales et du développement (IHEID). Im Jahr 2004 gründete er Mobilidée sàrl, ein Beratungs­unternehmen für nachhaltige Mobilität, das sich an Gebiets­körperschaften und Privatunternehmen richtet. Bis zu seiner Berufung in den Regierungsrat im Dezember 2013 war er hier als geschäfts­führender Partner und Mobilitäts­berater tätig.