Joint Venture mit aventron

Photovoltaik bietet bei den erneuerbaren Energien das grösste Wachstumspotenzial

HIAG Solar wird die Solarstromproduktion auf den Liegenschaften im HIAG-Immobilienportfolio langfristig ausbauen. Antoine Millioud, CEO aventron, und Marco Feusi, CEO HIAG, im Gespräch über die Strategie des Joint Ventures und das Potenzial von erneuerbaren Energien in der Schweiz:

Wie kam der Kontakt zwischen aventron und HIAG zustande?

Marco Feusi: Im Mai 2020 haben wir systematisch überprüft, wo HIAG für die Produktion von Solarstrom geeignete Dachflächen besitzt, und rund 200’000 m2 Dachflächen identifiziert, die sich mittelfristig für die Installation von Photovoltaik-Kraftwerken eignen. HIAG hat sich dann nach einem Partner umgesehen, der Know-how in der Produktion und Vermarktung von Solarstrom einbringt. Antoine Millioud: Bereits im Juni haben wir anhand von zwei, drei konkreten Beispielen gemeinsam Möglichkeiten diskutiert. Es war von Anfang an klar, dass HIAG die Dachflächen beisteuert und aventron für den operativen Betrieb zuständig ist.

Wie ist die Aufgabenteilung zwischen aventron und HIAG definiert?

AM: aventron kümmert sich um die technischen Fragen. HIAG kommuniziert mit den Mietern und weiteren Stakeholdern.

Wie sieht das im operativen Alltag aus?

AM: Ist eine Solarstromanlage einmal in Betrieb, gibt es operativ wenig zu tun. HIAG Solar kommt deshalb mit einer schlanken Struktur aus.

MF: Es ist uns wichtig, dass die Prozesse schlank sind. Wird ein neues Projekt identifiziert, entscheidet der Verwaltungsrat über die Umsetzung.

aventron hält mit 51 Prozent die Mehrheit am Joint Venture. Was ist der Grund dafür?

AM: Das entspricht der Philosophie von aventron, da wir uns als langfristige Partner verstehen.

Hat aventron ähnliche Kooperationen mit Dritten?

AM: aventron betreibt im Solarbereich in der Schweiz zwei ähnliche Kooperationen mit Partnern aus dem Finanzsektor. Spannend an HIAG Solar ist, dass HIAG grosse Produktionsflächen einbringt. Der Zugang zu Projekten wird immer wichtiger, das macht HIAG zu einem perfekten Partner.

MF: Wir haben bereits zahlreiche Dachflächen identifiziert, die sich für die Solarstromproduktion eignen, und werden das Portfolio kontinuierlich ausweiten. Wir sehen, dass unsere Mieter interessiert sind, Strom aus einer auf dem Areal installierten Solaranlage zu beziehen, sofern die Leistung mit einem vergleichbaren Angebot konkurrenzfähig ist.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Solarenergie im Verhältnis zu anderen regenerativen Energien im Schweizer Energiemarkt?

AM: Der Solarstrombereich wächst derzeit dynamisch, 2020 nahm die Produktion in der Schweiz um rund 400 MWp zu. Bei den Kleinwasserkraftwerken ist das Potenzial fast ausgeschöpft und der Bau von Windenergieanlagen sieht sich mit grossem Widerstand konfrontiert.

An welchen Standorten entstehen die vier für 2021 und 2022 geplanten Solarstromanlagen von HIAG Solar?

MF: 2021 stehen Projekte in Brunegg, Dietikon, Goldach und Niederhasli im Fokus. Weiter prüfen wir bereits Projekte unter anderem in Füllinsdorf, Bremgarten und Kleindöttingen.

Verfolgt HIAG ähnliche Projekte in anderen Bereichen des Energiemarkts?

MF: Ein spannendes Thema ist auch die Speicherung von Energie. Eine Möglichkeit dafür bietet Wasserstoff, der in das Gasnetz eingespeist oder in flüssiger Form gespeichert werden kann. Auch weil der Schwerverkehr mittelfristig vermehrt mit Wasserstoff betrieben werden könnte. Einige unserer Areale bieten aufgrund ihrer verkehrstechnischen Lage optimale Voraussetzungen für Wasserstofftankstellen. Bereits heute unterhält HIAG auf dem Dach des Wohnzentrums Spitzmatt in Windisch eine der grössten Photovoltaikanlagen der Region Brugg-Windisch mit einer Fläche von 1’300 m2 und einer Stromproduktion von rund 200 MWh. Die damit seit 2013 insgesamt eingesparten CO2-Emissionen beliefen sich per Ende 2020 auf ca. 858 Tonnen CO2. Weiter wird der Campus «The Hive» in Meyrin seit 2019 mit solargestützten LED-Lampen beleuchtet. So lassen sich jährlich 1’118 kWh und 30.2 kg CO2 einsparen. Und die Photovoltaikanlage des Gebäudes «Hive 2» hat 2020 rund 16’000 KWh elektrischen Strom produziert.