HIAG unterstützt Mieter in der Corona-Pandemie

HIAG legt grossen Wert auf einen engen Kontakt mit den Mietern, was sich insbesondere in der Corona-Krise als sehr wertvoll erwiesen hat und eine schnelle, unbürokratische Unterstützung betroffener Mieter ermöglicht. Wie erleben der Wirt des Restau­rants Neue Spinnerei auf dem Areal der ehemaligen Spinnerei Streiff in Aathal, Hansueli Wagner, und der Leiter Bewirtschaftung bei HIAG, Daniel Haldimann, diese ausserordentliche Zeit?

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie im März 2020 vom Schliessungsbefehl erfuhren?

HW: Es war uns sehr unwohl. Die Einnahmen brachen von einem Tag auf den anderen weg, dennoch mussten Löhne und Rechnungen bezahlt werden. Wir erstellten umgehend eine Liquiditätsplanung und kontaktierten die Vermieter, wie sie uns entgegenkommen könnten.

Was hat HIAG der Mieterin angeboten?

DH: Im ersten Lockdown haben wir den Nettomietzins für die Neue Spinnerei für einen Monat erlassen, die Hälfte der verordneten Schliessungszeit. Aktuell laufen die Gespräche, und das Angebot wird auch von der Unterstützung von Bund und Kanton abhängen.

Wie geht HIAG vor?

DH: Die Unterstützung der Mieter ist für uns zentral. Weil wir regelmässig im Gespräch sind, können wir rasch reagieren. Konkret gehen wir so vor, dass alle Unterstützungsanfragen gesammelt in der Geschäftsleitung besprochen werden. Dabei wird jede Situation individuell und nach den gleichen Massstäben beurteilt.

HW: HIAG ist unter den professionellen Vermietern eine positive Ausnahme und hat uns sehr schnell ein Angebot gemacht. Das Spektrum ist aber breit. In der Tendenz war der Prozess bei kleineren Vermietern einfacher und dauerte bei institutionellen Immobilieninvestoren länger. Letztlich haben uns aber alle unterstützt: Vor allem Städte, Brauereien und die SBB zeigten sich sehr kulant.

Welche Bedingungen stellt HIAG?

DH: Da es sich beim Restaurant Neue Spinnerei um einen langjährigen Mietvertrag handelt, machten wir das Angebot à fonds perdu. Die Vertragsdauer ist einer von verschiedenen Entscheidungsfaktoren.

«Professionell geführte Betriebe werden auch in Zukunft erfolgreich sein»

Hansueli Wagner, Restaurantinhaber

Herr Wagner, wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit HIAG?

HW: HIAG zeigte sich immer interessiert und bot Hand. Die Wege sind kurz und der Informationsaustausch ist unkompliziert.

DH: Die Mieternähe ist uns sehr wichtig und eine Stärke von HIAG. Aathal war das erste Areal, auf dem HIAG eine eigene Verwaltung installierte. Mittlerweile wird mehr als die Hälfte der Liegenschaften von HIAG direkt betreut.

HW: Aktuell ist der finanzielle Verlust riesig und wir hoffen, dass die Unterstützung anhält. Aber ebenso wichtig ist, dass es auch eine Zeit nach Corona gibt, und da wünsche ich mir, dass wir weiterhin so konstruktiv und effizient zusammenarbeiten. Wir haben immer wieder neue Projekte.

Was sind Ihre grössten Sorgen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie?

HW: Zuallererst war es ein Schock für uns. Auf einen Schlag mussten wir rund 400 Angestellte und die Betriebe an 21 Standorten auf null herunterfahren. Ich bin stolz, dass die Mitarbeitenden vorbildlich reagiert haben. Dieses Verständnis ist wichtig. Aktuell ist die Gewährleistung der Liquidität weiterhin eine anspruchsvolle Aufgabe. Bisher ist das dank der Unterstützung von HIAG, von unserer Hausbank, aber auch Privateinlagen gut gelungen. Die grosse Frage bleibt aber, wie es weitergeht: Aufgrund der positiven Erfahrungen nach dem Ende des ersten Lockdowns im letzten Sommer bin ich verhalten optimistisch.

Welche Lehren ziehen Sie aus den Erfahrungen seit März 2020?

HW: In Zukunft werden wir im Risikomanagement noch viel mehr Szenarien in Betracht ziehen, auch das, was wir bis anhin für unmöglich hielten. Und wir werden noch mehr Reserven bilden, sobald das wieder möglich ist. Die Erfahrungen aus der Pandemie haben mir schon ein wenig die Motivation genommen, in neue Projekte zu investieren. So oder so sind wir in Zukunft gezwungen, noch vorsichtiger zu sein.

DH: Das spüren wir auch. Die Risikobereitschaft hat generell abgenommen, auch bei den Vermietern. Die Herausforderung wird sein, weiterhin eine gesunde Balance für die unternehmerische Entwicklung und die Investitionstätigkeit von Mietern und Vermietern zu finden.

«Die Rückbesinnung auf sich selbst hat auch Vorteile.»

Daniel Haldimann

Wie wird sich die Gastronomie in der Schweiz nach der Corona-Pandemie entwickeln?

HW: Professionell geführte Betriebe werden auch in Zukunft erfolgreich sein. Aber ich gehe schon davon aus, dass eine gewisse Flurbereinigung stattfinden wird. Vor allem kleine Restaurants und Landbetriebe dürften es schwer haben. Eine grosse Veränderung erwarte ich in der Verpflegungsgastronomie. Wenn sich der Trend zum Homeoffice fortsetzt, werden es vor allem Anbieter von Kantinendienstleistungen stark spüren. In diesem Bereich kann es zu einer Konsolidierung kommen. Grosse Probleme sehe ich weiterhin auch für die Stadthotellerie, die auf Geschäftsreisende und internationale Touristen ausgerichtet ist. Dafür dürfte die Situation sich positiv auf die Schweizer Gastronomie durch erhöhten Inlandkonsum auswirken, wenn die Reisetätigkeit länger auf tiefem Niveau verharrt. Die Billigfliegerei kostete uns in den letzten Jahren viele Gäste.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie sähe der aus?

HW: Ein Punkt, der mich in dieser Zeit inspiriert, ist die Entschleunigung, die wegen Corona stattgefunden hat. Ich hoffe, dass ein Teil davon erhalten bleibt. Wenn die Krise eine nachhaltige Entwicklung auslösen würde, sollte das mehr Bescheidenheit sein, mehr Substanz und mehr Nachhaltigkeit. HIAG ist für mich ein Paradebeispiel dafür. Schon immer waren Nachhaltigkeitsthemen in jedem Projekt sehr präsent.

DH: Ich wünsche mir, dass die neue Rücksichtnahme der Menschen untereinander erhalten bleibt. Dabei denke ich zum Beispiel an Nachbarschaftshilfe und an unvoreingenommene Unterstützung unter Partnern. Die Rückbesinnung auf sich selbst hat auch Vorteile.